Zwischen Mythos und Realität: BMW 2019

Jeder BMW Fahrer kennt wohl seinen Mechaniker besser als die eigenen Schwiegereltern. Okay – es ist eine gewagte Aussage, doch gefühlt verbringen vor allem moderne BMWs fast so viel Zeit auf den Hebebühnen dieser Republik wie auf der Straße. Hintergrund ist dabei jedoch nicht ein desolater Zustand der Autos, sondern die steigende Komplexität der fahrenden Computer. Jede Generation einer Bauklasse besitzt noch mehr Technologie, noch mehr Spielereien. Und umso mehr Technik verbaut ist, umso mehr Technik kann auch kaputtgehen. Auch andere Autobauer kämpfen mit diesen Problemen. Doch dort, wo andere Konzerne vor allem mit Autos für die Mittelklasse punkten, steht BMW deutlich mehr im Fokus. Denn Premium “made in Germany” bedeutet für viele Kunden eben mehr als nur überdurchschnittliche Lebenszeiten von Bauteilen.

Politisch verstrickt, wirtschaftlich abhängig

Wo steht BMW also im Jahr 2019? Als Marke und als Hersteller? Nun, die vergangen Monate waren für keinen Autobauer leicht. Nicht nur gefährdet ein möglicher ungeregelter Brexit die wirtschaftliche Stabilität des europäischen Automobilmarktes, auch mögliche Zölle der USA gegenüber der EU könnten den großen US-Markt für BMW und Co. deutlich unrentabler werden lassen. Und im gewaltigen chinesischen Markt sind die Konzerne abhängig vom regierenden Regime, welches jederzeit Unternehmen privatisieren kann. Gleichzeit erschüttert die Dieselkrise noch immer Europa. Auch BMW akzeptierte erst eine Strafe über 8,5 Millionen Euro, nachdem bekannt wurde, dass die Motoren mehrer Diesel-Reihen mit falscher Software bespielt wurden. Der blauweiße Stern der Münchner hat also ebenfalls Risse bekommen.

Gleichzeitig hadert BMW noch immer mit neuen Technologien, wie dem autonomen Fahren. Hier haben viele Hersteller die Nase deutlich vorne und diesen Rückstand aufzuholen wird Milliarden kosten, wie nun auch das gemeinsame Gemeinschaftsprojekt mit Daimler zeigt. Zusammen wollen beide Konzerne über eine Milliarde in Share Drive stecken. Dieses besitzt einen Fuhrpark von über 20.000 Fahrzeugen. Davon sind jedoch erst 3200 Autos elektrisch betrieben. Und im Portfolio von BMW fehlt ein richtiger Mittelklasse E-Flitzer.